Es ist wieder soweit, Weihnachten steht vor der Tür – das Fest der Liebe. Oder nicht? Für viele Menschen ist Weihnachten vielleicht nicht immer so harmonisch, sondern kann auch eine Herausforderung sein. Dabei wünschen wir uns doch so sehr ein schönes Miteinander, Freundschaft, Harmonie, Liebe, Mitgefühl, Tiefe. Aber was können wir hier eigentlich von anderen erwarten?
Ich frage mich manchmal selbst: Wie kann ich erwarten, in einer harmonischen, liebevollen Welt zu leben, wenn ich selbst andere nicht immer liebe? Ist es nicht etwas komisch, uns von anderen oder von der Welt zu wünschen, dass sie alle nett, liebevoll und voller Verständnis sind, während wir uns selbst vielleicht nicht so sehr bemühen, diese Qualitäten zu entwickeln. Für uns ist es ja immer sehr klar, warum wir mal nicht liebevoll und freundlich bleiben können. Natürlich machen wir manchmal Fehler und sind verärgert usw. – das ist normal, es ist kein Grund, sich deshalb schlecht zu fühlen. Doch bringen wir anderen das gleiche Verständnis entgegen? Daraus können wir eine wichtige Erkenntnis ziehen:
- dass es wichtig ist, dass wir selbst wirklich lernen und üben, mehr Frieden in unseren Herzen zu bewahren und
- dass es ebenso wichtig ist, dieses Verständnis, das wir vielleicht manchmal für uns selbst haben, auch für andere zu entwickeln.
Denn wir wünschen uns Verständnis von anderen, wenn wir mal nicht so gut drauf sind oder wenn wir Fehler machen. Und ja, wir wissen selbst, dass wir vielleicht keine Fehler machen wollen oder lieber gut drauf wären, als schlechte Laune zu haben, aber wir haben oft einfach nicht die geistige Kraft und Stärke, darauf Einfluss zu nehmen. Wie schön wäre es, wenn wir das könnten? Genau diese Person können wir sein!
Wie sieht eine harmonische Welt aus?
Was denkst Du, wie sieht unsere Welt aus, in der wir nicht länger von anderen erwarten, geliebt zu werden, sondern in der wir nur bestrebt sind zu lernen, andere zu lieben? Das heißt, wir erwarten nicht länger von anderen, wie sie sein sollen, was sie zu tun und zu lassen haben und wie sie sich verhalten, sondern wir konzentrieren uns stattdessen darauf, was in uns passiert. Wie wäre das? Eine wunderbare Welt? Vielleicht fühlt sich das auch ungewohnt, weit weg oder falsch an? Aber wie soll unsere eigene Welt jemals harmonisch werden, wenn wir nicht unsere eigenen Erwartungen abbauen und stattdessen anderen mit Wertschätzung begegnen? Im Moment ist es oft so, dass wir unsere eigene Vorstellung davon haben, wie die Zeit mit anderen sein soll – und wie nicht. Das heißt, unsere Vorstellung ist mit Erwartungen an andere verknüpft. Wenn es so wird, wie wir es uns wünschen – alles gut. Wenn andere sich aber nicht so verhalten, wie wir es uns wünschen, vorstellen oder erwarten, dann ist unsere Freude dahin.
Liebe erwartet nicht, Liebe gibt
Wenn wir uns Harmonie und gute Beziehungen zu anderen wünschen, ist es ein wichtiger Schritt, unsere Erwartungen an andere abzubauen. Solange wir Erwartungen an andere haben, können andere nicht sein, wie sie sind und wie sie sein oder werden wollen, es kreiert viele Konflikte, weil wir anderen irgendwie verständlich machen wollen, dass sie anders sein sollen – was sie natürlich nicht möchten. Wir sind ständig innerlich im Widerstand, weil andere nicht sind, wie wir es wollen. Natürlich verstehen wir, dass es absurd ist, wenn wir auf diese Weise darüber nachdenken. Aber etwas in uns hält weiter daran fest, andere in bestimmten Punkten verändern zu wollen und so stört es uns innerlich auf subtile Art und Weise, bis daraus ein neuer Konflikt entsteht. Wenn wir es aber aufgeben, etwas von anderen zu erwarten, geben wir uns selbst und anderen viel innere und äußere Freiheit. Es entsteht ganz natürlich Frieden und Harmonie (in uns und mit anderen), wenn sich in uns kein innerer Widerstand mehr regt, sondern wir andere in ihrem Sein voll und ganz akzeptieren – weil wir aus eigener Erfahrung wissen, dass diese Person jetzt nicht anders sein kann und ihr bestes gibt.
Lass es uns ausprobieren
Wir können Weihnachten – oder ganz allgemein unsere Zeit mit anderen – daher in etwas verwandeln, was uns allen Frieden schenkt: jede Begegnung darf ein Fest sein, bei dem wir nicht etwas von anderen erwarten, sondern etwas geben wollen – wir geben Akzeptanz, Verständnis und unseren Gleichmut -> wir geben Liebe. Zum einen ist es DIE Gelegenheit zu üben, unsere Erwartungen an andere überhaupt erstmal wahrzunehmen und abzubauen und zum anderen werden wir die Möglichkeit haben, das zu sein, was wir uns von anderen wünschen: jemand, der andere liebt, ihnen Harmonie und Freude schenkt und Verständnis für sie hat. Wir versuchen also anders zu reagieren: nicht genervt, gelangweilt oder verärgert, sondern erinnern uns daran, dass wir andere nicht verändern wollen, sondern stattdessen üben, unsere eigene Akzeptanz, Liebe und unser Verständnis und Mitgefühl zu entwickeln und zu verstärken. So machen wir jeden Moment zu einem Geschenk für uns und für andere.
Ach ja, nicht vergessen: üben bedeutet nicht können – wir üben, damit wir etwas lernen, was wir noch nicht können. Jeder Moment, indem wir es versuchen, bringt uns dem Können näher, ganz gleich, ob es gut geklappt hat oder nicht. Daher können wir uns sehr an unserem Üben erfreuen. 🤗 Genieße den Prozess des Lernens und hab ein schönes Fest. ❤️