…gnadenbringende Weihnachtszeit!…
Ja, das ist es, was wir uns und anderen zu Weihnachten wünschen, eine fröhliche, besinnliche, friedvolle Zeit, alles soll besonders schön und harmonisch sein. Aber ist unser Weihnachten dann auch immer so fröhlich, besinnlich und friedvoll? Für mein Gefühl ist der Anspruch an Harmonie zu Weihnachten nochmal etwas größer als sonst. An Weihnachten alleine zu sein tut mehr weh, als an jedem anderen Tag des Jahres. Es ist ein Familienfest, wer alleine ist, fühlt sich einsamer als sonst. Wenn wir zuvor eine geliebte Person verloren haben, ist der Schmerz der Trauer zu Weihnachten besonders groß. Und wenn es Unstimmigkeiten gibt, ist das noch unangenehmer als zu anderen Zeiten. Es scheint da irgendwo in uns ein Denken zu geben, dass es zu Weihnachten besonders harmonisch, schön, friedvoll und besinnlich sein sollte. Da stellt sich natürlich die Frage, wie das gehen soll, wenn es das ganze Jahr über so mittelmäßig klappt. 🤭 Vielleicht ist es bei Dir auch das ganze Jahr über alles voller Freude und Frieden, dann hast Du bereits etwas Besonderes gelernt. Bitte melde Dich bei mir und schreibe hier einen Gastbeitrag, denn Dein Geheimnis möchten wir dann alle gerne erfahren. 🤗
Aber wenn nicht, schließt sich hier die Frage an: (1) Ist dieser gesteigerte Anspruch an Harmonie, Freude und Frieden usw. berechtigt? Und wenn ja, (2) wie kriegen wir das dann hin?
(1) Natürlich gibt es keinen Grund, warum wir uns Harmonie, Frieden, Freude usw. nicht wünschen sollten. Jeder wünscht sich glücklich zu sein. Dieser Wunsch ist wunderschön und es ist wunderbar, wenn wir versuchen ihn zu erfüllen. Ein Problem entsteht erst dann, wenn es auf jeden Fall so sein muss. Uns etwas zu wünschen und daran zu arbeiten, dass es sich erfüllt, ist kein Problem. Ein Problem entsteht erst dann, wenn wir gedanklich nur dieses eine Ergebnis, das wir uns wünschen, akzeptieren und alles andere nicht haben wollen und es innerlich ablehnen. Dann werden wir sehr unglücklich, wenn sich unser ersehnter Wunsch nicht erfüllt. Je mehr wir etwas nicht wollen, das geschieht, umso unglücklicher werden wir. Oder anders gesagt: Etwas nicht zu akzeptieren, was bereits geschehen ist, ist eine 100 % Garantie zum Unglücklichsein – und das Gegenteil ist dann natürlich auch der Fall, wie wir noch sehen werden! Und wir können auch sehen, dass es keinen Sinn macht, daran festzuhalten, dass es so sein muss, wie wir es wollen, denn es ist unmöglich, dass sich alle unsere Wünsche immer erfüllen. Können wir aber akzeptieren, dass sich unser Wunsch (noch) nicht erfüllt hat, bleiben wir zufrieden und glücklich.
Das Kind und die Sandburg
Und hier ein Beispiel, um es etwas zu veranschaulichen: Ein herrlicher Sommertag am Strand. Ein kleines Kind baut eine wunderschöne Sandburg. Am Nachmittag kommt das Wasser des Meeres immer näher, die Flut kommt herein und nach einiger Zeit erreicht das Wasser die Sandburg und überflutet sie. Das Kind ist völlig entsetzt und traurig und fängt an zu weinen und zu schreien. Die Eltern bleiben ganz ruhig und trösten das Kind.
Was ist passiert? Das Kind hatte den Wunsch oder die Vorstellung, dass die Sandburg noch eine Weile erhalten bleibt und es weiterbauen und spielen kann. Die Eltern hatten diesen Wunsch vielleicht auch, aber ihnen war völlig klar, dass diese Sandburg nicht sehr lange erhalten bleibt, es war für sie kein Problem, dass sie zerstört wird, sie konnten es einfach akzeptieren. Der entscheidende Unterschied war daher ihr Wunsch oder ihre Vorstellung in Bezug auf die Burg. Hätte das Kind akzeptieren können, dass die Burg zerstört wird, auch wenn es das gerne anders gehabt hätte, hätte es keine Enttäuschung und keine Tränen gegeben. Seine Enttäuschung ist nur entstanden, weil das Kind nicht ertragen konnte, dass es nicht so war, wie es sich das gewünscht oder vorgestellt hatte.
Was ist Deine Sandburg?
Vielleicht denken wir jetzt, das ist typisch Kind… 🤭 Aber was hat das mit mir zu tun? Naja, in manchen Dingen sind wir vielleicht auch manchmal wie dieses Kind. Na gut, wir laufen nicht mehr schreiend zu Mama, wir sind ja schließlich sozialisiert, aber wie sieht das innerlich aus? Wie reagieren wir, wenn sich unsere Wünsche nicht erfüllen, wenn unsere Vorstellung, wie die Dinge sein sollen, nicht mit der Realität übereinstimmen? Mit Stress? Unruhe? Ärger und Wut?
Was sind Deine Wünsche, an denen Du besonders stark hängst? Was sind Deine Vorstellungen, die nicht so sind, wie es dann tatsächlich passiert? Wie ist das für Dich, wenn sich der Wunsch nach Freude, Harmonie, Frieden usw. nicht erfüllt? Eigentlich müssen wir nur dahin schauen, wo wir tatsächlich unzufrieden, unglücklich, wütend usw. werden, denn das kann nur passieren, wenn wir zuvor einen Wunsch oder eine Vorstellung entwickelt haben, die nicht in Erfüllung ging und wir es nicht ertragen können, dass es anders ist. Was ist es also, das Dich stört, was Du nicht magst? Der Autoverkehr? Das Verhalten Deines Kollegen? Dass jemand die Dinge nicht dahin stellt, wo Du sie haben möchtest? …? Natürlich gibt es viel schwerwiegendere Dinge, die wir nicht wollen, aber es ist hilfreich mit kleineren Problemen zu beginnen, dann kannst Du es mit der Zeit auf größere Probleme übertragen.
Lass es uns ausprobieren
Suche Dir eine Situation aus und frage Dich selbst: Warum bin ich da unzufrieden oder unglücklich geworden? Was war mein Wunsch? Wie hätte es meiner Vorstellung zufolge sein sollen? Und versuche zu erkennen, wie das Unglücklichsein entstanden ist. Entdecke das starke NEIN in Dir, der Gedanke, “das darf so nicht sein”, “das ist nicht richtig”, “ich will es anders“.
Und dann schau Dir an, wie es wäre, wenn Du es voll und ganz annehmen und glücklich akzeptieren könntest, dass es anders ist, als Du es Dir wünschst. Stell es Dir genau vor und fühle, wie es ist, dass etwas anders ist, als Du es gerne hättest und Du damit vollkommen einverstanden bist. Das bedeutet nicht, dass Du Deinen Wunsch aufgibst oder dass Du es gut findest, was passiert, aber Du akzeptierst es, dass es jetzt gerade ist, wie es ist. Fühle den Frieden und die Ruhe, die entsteht, wenn da kein Gedanke ist, der es anders haben möchte. Und nimm Dir vor, dieses Annehmen in Deinem Alltag, in bestimmten Situationen zu üben. Lass anstatt einem inneren NEIN ein inneres, willkommenheißendes JAAA entstehen.
Genieße Deinen Prozess des Lernens. 🌈💫
Zu (2) – was wir dann tatsächlich dafür tun können, damit sich unsere Wünsche nach Harmonie usw. erfüllen – komme ich dann im nächsten Beitrag. Es ist einfach zu schön und auch sehr wichtig, erst einmal die eigenen Wünsche und Vorstellungen zu entdecken und zu erkennen, wie sehr wir vielleicht daran klammern. ⛓️ Und vor allem auszuprobieren, wie sich unser Leben allein dadurch verändert, dass wir einfach glücklich akzeptieren, was gerade da ist. ⛓️💥