Was wir von Stress lernen können (Teil 1)

Wer kennt ihn nicht – Stress? Was ist denn Deine Erfahrung und Dein Umgang mit Stress? Heutzutage ist es ein Phänomen, das wohl fast jeden mehr oder weniger betrifft. Als ich noch ein Kind war, war Stress (zum Glück) kein großes Thema, zumindest nicht für mich und in meinem Umfeld hielt es sich sehr in Grenzen. Aber für mein Gefühl hat sich das sehr verändert. Ich kenne heute kaum noch Leute, die nicht zumindest von Zeit zu Zeit gestresst sind. Daher wäre es ganz hilfreich zu verstehen, wo Stress eigentlich herkommt. Wie genau entsteht er? Ist Stress notwendig oder können wir auch ohne ihn leben? Liegt es an unserem Chef, an den Kollegen, den Kindern, dem Partner, der Zeit oder an den gestiegenen Anforderungen… ? Haben die äußeren Umstände irgendeine Möglichkeit uns zu stressen? Wenn wir es genau untersuchen, kann nichts und niemand von außen Stress in uns hervorrufen, wenn wir es innerlich nicht zulassen würden. Wenn wir immer entspannt reagieren würden, auf was auch immer geschieht, wäre es unmöglich, dass wir uns gestresst fühlen. Ist das so? Darüber muss man erstmal nachdenken. 💫

Was geschieht, wenn wir Stress haben?

Stell Dir vor, Dein Chef braucht dringend etwas von Dir, was heute noch fertig sein muss, Deine Familie oder Freunde brauchen kurzfristig jemanden, der sie irgendwo hinfährt und eigentlich hattest Du ganz andere Pläne, die für Dich von gleicher Wichtigkeit waren und alles zusammen ist dann ziemlich viel. Jetzt können wir versuchen, alles irgendwie hinzukriegen, auch wenn es eigentlich zeitlich gar nicht geht.

Oder wir können überlegen, was wir realistisch machen können und wollen, und erledigen dann das, wofür wir uns bewusst entschieden haben, in unserem Tempo und akzeptieren es, falls es nicht so ist, wie wir es wollen. Was denkst Du, wie Du Dich mit diesen Reaktionen fühlen würdest? Die äußere Situation ist in beiden Fällen exakt dieselbe, es unterscheidet sich nur in unserer Reaktion darauf, also unser Umgang mit dem, was da äußerlich da ist.

  1. Eine angespannte Reaktion

Im ersten Fall haben wir wahrscheinlich ein Gefühl von Stress. Wir wollen allen Ansprüchen gerecht werden, alle Aufgaben und Wünsche der anderen erfüllen und lassen innerlich keine andere Möglichkeit zu, als dass wir das hinbekommen und das, obwohl die Zeit dafür gar nicht ausreicht. Wir haben oft Stress, wenn wir für unsere To-do’s weniger Zeit haben, als wir eigentlich dafür bräuchten. Aber das Entscheidende am Stress ist, dass wir eine Vorstellung davon haben, wie es sein soll und dass wir dann innerlich an dieser Vorstellung klammern, wir wollen, dass es genauso wird, wie wir uns das vorgenommen haben und halten förmlich daran fest. Natürlich entsteht dadurch in uns eine enorme Anspannung oder anders gesagt: Stress. Das ist ein wichtiger Prozess, den wir innerlich beobachten und verstehen können.

Wenn unser Stresslevel hoch ist, bedeutet das auch, dass dieses Klammern daran, wie wir es uns vorstellen, dass es sein soll, auch sehr stark ist. Und das wiederum führt dazu, dass wir andere Dinge nicht mehr so wichtig nehmen und sie dadurch auch nicht mehr wahrnehmen. Z.B. bemerken wir dann nicht, dass wir uns nicht mehr konzentrieren können und eine Pause bräuchten, dass uns vielleicht kalt ist, dass wir Hunger oder Durst haben usw. Mit anderen Worten: wir achten nicht mehr auf unsere Bedürfnisse, gehen dadurch leicht über unsere Grenzen und vernachlässigen somit unsere Selbstfürsorge. Wenn wir das immer wieder und über eine lange Zeit machen, fühlen wir uns ständig angespannt, erschöpft und können sogar im Burnout landen.

  1. Eine entspannte Reaktion

Im zweiten Fall des obigen Beispiels haben wir eine bewusste, realistische Entscheidung getroffen, so dass wir von vornherein nur den Aufgaben zugestimmt haben, die wir zeitlich auch wirklich schaffen können und wollen und sind außerdem offen dafür, dass die Dinge dennoch anders kommen, als wir es uns vorgestellt haben. Wie würdest Du Dich dabei fühlen? Wäre dieser Umgang mit der Situation entspannter, realistischer und gesünder?

Stress entsteht durch unsere Reaktion

Wir können daran erkennen, dass Stress zu 100% etwas mit uns zu tun hat und nicht von äußeren Umständen hervorgerufen wird. Es liegt an unserer eigenen Reaktion auf die Dinge, ob wir Stress erfahren oder nicht. Denn erst wenn wir das erkennen und uns eingestehen, werden wir nach echten Lösungen suchen. Denn dann ist uns natürlich völlig klar, dass wir unsere eigene Reaktion verändern müssen anstatt eine äußere Situation oder andere Personen, die wir sowieso nicht wirklich verändern können. Das ist wunderbar, denn darauf haben wir dann zu 100% Einfluss – und auch die Verantwortung. 

Wie steht es um Deinen Stress?

Vielleicht ist es zunächst einmal hilfreich, eine kleine Übung zu machen, um erstmal einschätzen zu können, wie es um unser eigenes Stresslevel steht, und außerdem zu erkennen, dass Stress nicht durch äußere Dinge entstehen kann, sondern alleine durch unsere eigene innere Reaktion auf äußere Dinge. Wenn wir das erkennen, machen wir keine vorübergehende Symptombehandlung mehr, sondern wir werden mehr und mehr die eigentlichen Ursachen angehen.

Lass es uns ausprobieren

Das erste ist, zunächst eine ehrliche Bestandsaufnahme zu machen. Viele Menschen leben einen großen Teil ihrer Zeit mit Stress oder landen irgendwann im Burnout und haben gar nicht bemerkt, was für ein großes Stresslevel sie haben. Das geht am besten, wenn wir etwas zur Ruhe kommen und in uns hineinspüren. Und dann frage Dich ganz ehrlich, in Deinem Herzen (auf einer Skala von 0-10, 0=gar nicht, 10=ständig):

  • Wie oft fühle ich mich angespannt, getrieben, ruhelos?

Und dann auch das Gegenteil:

  • Wie oft fühle ich mich entspannt, freudvoll und innerlich ruhig?

Daran kannst Du erkennen, ob Du vielleicht doch mehr (oder weniger) Stress hast, als Du bisher gedacht hast.

Und dann erinnere Dich an eine Situation, in der Du Dich gestresst gefühlt hast. Wie hat sich das angefühlt? Was musste unbedingt so sein, wie Du es wolltest? Fühle die Unruhe und Anspannung, die da war. Fühle wie Du unbedingt möchtest, dass ein gewisses Ergebnis eintritt, dass alles so läuft, wie Du es möchtest. Lass es auf Dich wirken.

Und jetzt überlege, was eine realistische, entspannte Reaktion in der Situation wäre. Stell Dir vor, wie Du auf die Situation mit dieser angemessenen Entscheidung reagierst. Fühle, wie Du entspannt und ruhig bleibst und akzeptieren kannst, dass es nicht so ist, wie Du es gerne hättest. Lass auch das auf Dich wirken.

Kannst Du spüren, wie alleine Deine unterschiedlichen Reaktionen Dein Erleben verändern? Und dass es daher möglich ist, ein Leben frei von Stress zu leben, indem wir unsere Reaktionen verändern?

Stress ist nicht notwendig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert