Was wir von Stress lernen können (Teil 2)

Wie Glaubenssätze wirken

Es gibt verschiedene Antworten auf diese Frage, aber eine Antwort hat mit unseren Glaubenssätzen zu tun. Diese wirken sozusagen im Hintergrund und treiben uns bei unseren Handlungen mehr oder weniger unbemerkt an.

Mal angenommen, Du hättest den Glaubenssatz, ich bin nicht gut genug oder ich bin nur gut, wenn… (ein verbreiteter Gedanke). Dann würde Dich dieser Gedanke immer wieder förmlich antreiben, mehr machen zu müssen als andere oder bestimmte Aufgaben immer perfekt erledigen zu müssen. Da Du nicht gut genug wärst, wenn Du die Aufgaben nicht entsprechend Deiner Vorstellungen erledigen würdest, würdest Du enorm daran klammern, dass es so wird, wie Du es Dir vorstellst, dass es sein sollte.

Ein anderer Gedanke wäre der, anderen gefallen zu wollen, gemocht zu werden oder der Wunsch nach Anerkennung (ebenfalls nicht unüblich). Auch dann müssen wir vielleicht mehr machen als andere oder besonders gut sein, vielleicht passen wir uns dann sehr an, damit andere uns mögen usw.

Mit solchen Glaubenssätzen kann es sogar sein, dass wir selbst mit guten Leistungen nicht zufrieden sind. Es gibt bereits Kinder, die das Gefühl haben, immer am besten sein zu müssen. Sie sind dann mit der zweitbesten Note nicht zufrieden. Und wenn sie dann die beste Note haben, haben sie den Druck, es wiederholen zu müssen. Aus solchen Gedanken entstehen gleichzeitig natürlich auch viele Ängste. Wenn wir immer der Beste sein müssen, haben wir natürlich auch Angst davor zu versagen oder eben nicht gut genug zu sein, wir haben Angst vor den Reaktionen anderer und vermeiden dann gewisse Dinge, um diese Reaktionen nicht erleben zu müssen. Denn wenn andere uns dann nicht sagen, wie toll wir sind, sondern uns vielleicht auch noch kritisieren, wäre das sehr schmerzhaft.

Ein weiteres Beispiel für einen inneren Antreiber wären auch Verpflichtungen, die wir angenommen haben, z.B. müssen wir vielleicht ein Haus abbezahlen oder eine Familie ernähren. Dann werden wir viele unserer Tätigkeiten darauf ausrichten, diese Verpflichtungen zu erfüllen und können sehr leicht ein starkes Klammern daran entwickeln, dass es nicht anders sein darf, als dass wir diesen Verpflichtungen entsprechend unserer Vorstellung nachkommen. Dies wird dann zu Stress führen, wenn weitere Themen dazu kommen, die wir ebenfalls erfüllen wollen oder unsere Zeit und Energie in Anspruch nehmen, z.B. eine Krankheit oder die Pflege von Angehörigen, aber auch alltägliche Aufgaben, die uns während des Tages in die Quere kommen.

Glaubenssätze als innere Antreiber

Die Liste an Beispielen ist endlos. Wenn wir unterschwellig einen Glaubenssatz haben, der uns antreibt, können wir an allen möglichen Vorstellungen festhalten und alles, was nicht zu unserer Vorstellung passt, fordert uns dann heraus. Ein starker Glaubenssatz, ist ein starker Antreiber. Er treibt uns an, weiter zu gehen, mehr zu machen, über unsere Grenzen zu gehen, unsere Bedürfnisse nicht mehr wahrzunehmen und nicht mehr darauf zu achten, ob es uns (und anderen) überhaupt gut tut. Wir fühlen uns davon getrieben, ausgelaugt, unausgeglichen und gestresst.

Wie ist das bei Dir? Kennst Du solche Glaubenssätze, die Dich antreiben? Was ist es, wofür Du vielleicht hart arbeitest, von dem Du möchtest, dass es so bleibt, wie es ist oder das Du gerne erfüllen möchtest?

Wie uns unsere Antreiber helfen können

Antreiber oder Glaubenssätze funktionieren natürlich auch im positiven Sinne. Das ist es, was wir entdecken und entwickeln können. Es macht uns innerlich frei, wenn destruktive Glaubenssätze nicht mehr wirken können, weil wir verstehen, was sie mit uns machen und dass sie keinen Bezug zur Realität haben. Wenn wir stattdessen förderliche Glaubenssätze oder Sichtweisen für uns entdecken, dann leben, wirken und arbeiten wir mit Freude und positiver Energie.

Die Frage ist daher auch, wie erkennen und entwickeln wir positive Glaubenssätze? Es gibt Menschen, die unermüdlich anderen helfen wollen und man könnte meinen, das sei sehr positiv. Dabei können wir leicht ein “Helfersyndrom” haben. Das heißt, hinter dem “helfen wollen” steht vielleicht ein Glaubenssatz, wie: ich bin nur gut, wenn ich anderen helfe (weil andere mich dann mögen)... Dann folgen wir wiederum einem Antreiber, der die Kraft hat, uns in die Erschöpfung zu treiben.

Grundsätzlich können wir sagen, wenn uns ein innerer Antreiber zufrieden macht, wir unsere Tätigkeiten mit Freude und positiver Energie ausführen, Hindernisse oder Kritik uns nicht stören und es uns Energie gibt, haben wir einen wertvollen Antreiber, oder anders gesagt, ein sinnvolles Ziel gefunden. Wenn wir aber merken, dass wir das, was wir tun nicht mit Leichtigkeit und Freude tun, sondern dass es sich schwer anfühlt, als ob wir gegen einen Widerstand angehen und wenn wir uns nach unserer Arbeit erschöpft und ausgelaugt fühlen, dann haben wir mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Glaubenssatz, der nicht hilfreich ist und nicht mit der Realität übereinstimmt.

Wir müssen uns nicht alles glauben

Es wäre daher äußerst hilfreich, wenn wir unsere destruktiven Glaubenssätze entdecken und erkennen, wo sie uns hinführen und sie dann in etwas verwandeln, was uns hilft. Nehmen wir z.B. den Glaubenssatz, ich bin nicht gut genug oder ich bin nur gut, wenn… Was könnte daran falsch sein?

1. Zum einen sind wir immer gut genug, egal wie wir sind. Wir sind immer das Beste, was wir gerade sein können.

2. Und zum anderen ist es in Wirklichkeit völlig egal, was andere von uns denken, denn das hat nichts mit uns zu tun (es sind einfach nur ihre Gedanken und Erwartungen). Es hat auch nichts mit unserem Wohlbefinden und unserem Glück, denn wir können natürlich glücklich sein, auch wenn andere schlecht über uns denken.

Lass es uns ausprobieren

Es kann super spannend sein, unsere Glaubenssätze erstmal zu finden und sie mehr und mehr aufzulösen. Wenn Du sie herausfinden magst, kannst Du auf eine kleine innere Forschungsreise gehen: Denke an Situationen, die immer wieder sehr stressig oder herausfordernd für Dich sind oder wodurch Du immer wieder erschöpft bist. Fühle Dich in so eine Situation hinein. 

Was genau geschieht da? Übernimmst Du vielleicht mehr Arbeit als Du Zeit und Kapazität hast? Fällt es Dir schwer, Nein zu sagen? Hast Du das Gefühl, etwas tun zu müssen, obwohl Du es eigentlich nicht möchtest? …?

Und dann schau etwas tiefer und frage Dich weiter: Warum möchte ich, dass es ist, wie ich es will und kann es anders nicht akzeptieren? Warum mache ich es trotzdem, auch wenn ich es nicht möchte? Was ist in mir, das ich unbedingt erfüllen möchte? …? → Was genau treibt mich an?

Wenn Du Deinen Antreiber gefunden hast, nimm ihn kritisch unter die Lupe. Macht er Dich wirklich glücklich??? Dieser Antreiber führt immer wieder dazu, dass Du Stress und innere, geistige Schmerzen und Anspannung erfährst. Er ist überhaupt nicht hilfreich. Du kannst ihn mit Freude für immer verabschieden und Dich entschließen, ihm nicht mehr zu folgen.

Denke mit Logik und Menschenverstand über Deinen Antreiber nach, vielleicht auch aus der Vogelperspektive oder aus der Sicht von einem weisen Freund. So gewinnst Du Abstand zu Deinen Gedanken und das hilft Dir zu einem tiefen Entschluss in Deinem Herzen zu kommen, den Glaubenssatz aufzugeben.

Viele Glaubenssätze sitzen natürlich tief in uns. Deshalb müssen wir immer wieder in unserem Herzen darüber nachdenken und sie mit der Zeit schwächer werden lassen und schließlich aufgeben. Das ist wunderbar! Es sind nur Gedanken. Wo ist ein Gedanke, der nicht gedacht wird? Er existiert nicht! Wir haben die Freiheit, unsere Gedanken zu verändern und sie so zu entwickeln, dass sie uns und anderen helfen und uns glücklich machen. 🌈💫

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