Zum Einstieg hier mal eine Hypothese:
Vielleicht mögen wir es deshalb so sehr, mit anderen zu reden, die die gleiche oder zumindest eine ähnliche Meinung haben wie wir selbst: es bestätigt unsere Welt und unseren Standpunkt zu ihr – und es bestätigt somit auch uns selbst und unsere Gedanken… Ist da was dran? Heute möchte ich unser Gedankengut etwas unter die Lupe nehmen.
Die erste Hypothese ist, dass die meisten Menschen es vorziehen, Gespräche und Kontakte mit Menschen zu haben, die uns verstehen, uns mögen und in den meisten Punkten mit unserer Meinung übereinstimmen – uns also irgendwie ähnlich sind. Denn dann können wir eine angenehme Zeit haben und wir erfahren keine oder nur wenige Probleme. Würdest Du sagen, da ist etwas dran? Denkst Du, das trifft auf Dich zu? Wie ergeht es Dir, wenn Du Menschen um Dich hast, die in für Dich wichtigen Punkten nicht mit Dir übereinstimmen, anders denken oder einfach nicht mit Dir auf einer Wellenlänge sind?
Interessant ist vor allem auch zu schauen, warum das vielleicht so ist – das ist die zweite Hypothese (auch wenn es sicher mehrere Erklärungen dafür gibt). Objektiv betrachtet haben andere Personen und Dinge ja keine festen Eigenschaften, es ist alles relativ – das bedeutet, was wir wahrnehmen, entsteht immer nur in Abhängigkeit von anderen Dingen. Mal ein paar Beispiele, um das zu veranschaulichen: Ein Stuhl, kann für uns niedrig sein, für eine kleine Person ist er vielleicht sehr hoch. 11 Grad sind im Sommer kalt, im Winter aber sehr warm. Der Klang von Musik kann für uns in einem Moment angenehm, in einem anderen sehr störend sein. Die Blätter eines Baumes sind bei Sonnenschein hellgrün, im Schatten dunkelgrün und in der Dunkelheit schwarz. Früher dachte ich immer, Wolken sind weiß, bis ich in einem Gebet von blauen Sommerwolken gelesen habe und dann feststellte, dass sie unzählige Farben haben können. Ein Pullover kann für uns ein Objekt sein, das neu, kaputt, alt, dreckig usw. ist. Er ist nicht immer der selbe Pullover für uns. Ein Tisch kann ein Tisch, ein Bügelbrett, ein Wickeltisch oder Brennholz sein. Alles ist irgendwie abhängig davon, welche Funktion es gerade für uns ausführt und wie wir uns darauf beziehen. Oder kennst Du etwas, das immer dasselbe ist und sich nie verändert? Ist es da nicht angenehm, immer wieder Bestätigung zu erfahren, indem wir Menschen um uns haben, die alles genauso sehen, interpretieren und folgern, wie wir selbst?
Gibt es eine objektive Wirklichkeit?
Wie wir wissen, gibt es Menschen, die die Welt offensichtlich ganz anders erleben, wahrnehmen oder bewerten als wir selbst. Andere Personen finden Dinge für richtig, die wir als falsch bewerten, sie mögen Dinge, die wir überhaupt nicht mögen usw.
Mir kommen daher ein paar Fragen auf: Wie kann ich davon ausgehen, dass es richtig ist, was ich denke, wenn nahezu jeder etwas anderes denkt und sich alles ständig verändert? Gibt es eine Art zu denken, von der wir sagen können, dass es für alle richtig ist? Oder wie kann ich denken, so dass es für mich und für alle anderen hilfreich und nützlich ist?
Ich denke, solange wir das Gefühl haben, dass die Dinge genauso sind, wie wir denken, dass sie sind und dass alle anderen Menschen irgendwie falsch sind, wenn sie es anders sehen, ist offensichtlich, dass es für uns (und für andere) früher oder später zu Problemen führt. Wir leben dann nicht im Einklang mit der Realität, sondern im Widerspruch zu ihr – denn es gibt keine Welt, die feste Eigenschaften hat und für jeden gleich ist. Wenn wir aber anerkennen, dass jeder aus seiner eigenen Sicht genauso “richtig” denkt, wie wir selbst, wird es uns leicht fallen in dieser Welt glücklich zu leben, da wir damit viele innere Widerstände aufgeben, die uns das Leben normalerweise schwer machen. Das bedeutet nicht, dass alles immer “richtig” ist, was wir oder andere denken, es bedeutet lediglich, dass das, was wir selbst oder andere in einem Moment denken, in diesem Moment aus der Sicht der jeweiligen Person „richtig” ist. Wir bewerten alles jeweils aus unserer Perspektive und in Bezug auf uns. Nehmen wir eine andere Perspektive ein, bewerten wir die Dinge anders. Dadurch ergeben sich andere Sichtweisen, Meinungen und Wünsche. Man kann aber erstmal nicht sagen, dass eine Sichtweise dann richtiger wäre, als eine andere.
Genieße Deine innere Freiheit
Daraus ergibt sich eine wichtige Erkenntnis: das gibt uns die Freiheit, unsere Gedanken so zu wählen, dass sie für uns und für andere nützlich sind. Ob wir in anderen gute oder schlechte Eigenschaften sehen, liegt vielmehr daran, worauf wir uns richten, als daran, wie andere sind – denn andere haben keine festen Eigenschaften (wie wir auch zu Beginn an den Beispielen sehen konnten). Ob unser Partner, Kollege oder sonst jemand für uns angenehm oder unangenehm ist, liegt es an unseren eigenen Gedanken über diese Person und hat gar nichts mit der Person selbst zu tun.
Um uns das zu Nutze zu machen, können wir die 5:1 Regel anwenden: auf jeden schlechten Gedanken kommen 5 Gute. 😇 Das heißt, wenn wir eine negative Eigenschaft an einer Person wahrnehmen, dürfen wir 5 Eigenschaften entdecken, die an dieser Person ganz toll sind, die wir vielleicht sogar bewundern oder Dinge, die sie gut macht oder die in irgendeiner Weise das Leben von uns oder von anderen bereichern. Das ist eine tolle Übung, um über unser Denken mehr Kontrolle zu gewinnen und natürlich auch um unser Denken positiver zu machen, was uns zwangsläufig auch glücklicher macht.
“Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.”
(Marc Aurel)
Wichtig ist hier zu verstehen, dass wir uns nichts vormachen oder erfinden. Wir entdecken lediglich Eigenschaften an anderen Personen oder Dingen, die tatsächlich da sind, wir haben sie bisher einfach nur außer Acht gelassen oder übersehen. Unsere Sicht wird dadurch nicht nur positiver, sondern auch realistischer und damit wird unser Leben natürlich auch einfacher und entspannter. Ein anderer Punkt, der dabei wichtig ist, ist, dass wir die positiven Eigenschaften der anderen Person uns nicht nur aufzählen, sondern sie wirklich anerkennen. Wir entdecken die wunderbaren Eigenschaften der anderen Person also aus unserem Herzen heraus und freuen uns sehr darüber. Dann funktioniert es sehr gut. 😊
Lass es uns ausprobieren
Nimm Dir etwas Zeit, vielleicht 10 Minuten, eine Stunde, einen Tag oder wie viel Zeit für Dich gut ist und entschließe Dich für diese Zeit, die 5:1 Regel auszuprobieren. Erfreue Dich an all dem Guten und der Güte anderer um Dich herum. Dabei darfst Du Dir erlauben, die vermeintlichen Fehler der Dinge und Personen mal außer Acht zu lassen. Und wenn Du doch welche wahrnimmst, darfst Du 5 gute Eigenschaften entdecken und Dich damit beschäftigen.
Hab viel Freude dabei, wenn Du es ausprobieren magst! 💖