Seit längerem habe ich den Wunsch, über Vergänglichkeit zu schreiben – weil sie einfach sooo wichtig für ein entspanntes, glückliches Leben ist! Wenn wir innerlich wachsen wollen und uns ein glückliches Leben wünschen, kommen wir um das Thema nicht drum herum. 😊
Vergänglichkeit: Sie ist allgegenwärtig und doch weit weg, ein sensibles Thema und vielleicht sogar tabuisiert, niemand mag sie – dabei hat sie die Kraft, uns so viel Entspannung und inneren Frieden zu schenken. Wir reden vielleicht manchmal über Vergangenes, manchmal leben wir sogar in der Vergangenheit, aber von Vergänglichkeit wollen wir dennoch oft nichts wissen. Dabei ist sie die Natur aller Dinge, in jedem Moment gegenwärtig. Wenn ein Moment beginnt, ist der vorangegangene Moment bereits Geschichte. Wenn ein Moment entsteht, ist der vorangegangene Moment bereits Vergangenheit. Dinge und alle Menschen und Tiere können sich nur verändern, weil sie vergänglich sind. Ohne Vergänglichkeit wäre Entwicklung nicht möglich. Wie könnten wir uns jemals verändern, wenn wir nicht vergänglich wären? Wir freuen uns über die Geburt eines Kindes, aber der Tod bekommt nur wenig Aufmerksamkeit, denn er ist für uns verbunden mit Trauer, Verlust und Schmerz. Wir wollen dem eigentlich keinen Platz in unserem Leben geben – nur wenn wir ihm nicht mehr ausweichen können – wenn wir jemanden durch den Tod verlieren. Doch selbst dann stellen wir uns ihm nicht wirklich – denn der Tod bleibt etwas, das wir nicht wollen.
Wie ist eine beständige Welt?
Wie würde diese Welt aussehen, wenn es Vergänglichkeit nicht geben würde? Wir würden alle immer Babys bleiben, weil wir nicht alt werden könnten. 🤔 Es wäre eine komische Welt – tatsächlich ist es unmöglich. Vergänglichkeit ist von unserer Wirklichkeit nicht wegzudenken – alles kommt und geht. Daher ist es äußerst hilfreich und wichtig, über Unbeständigkeit nachzudenken und in Frieden mit ihr zu leben.
Vielleicht denkst Du anders. Das sind allgemeine Gedanken, wie sie in unserer Gesellschaft vielleicht öfter vorkommen mögen. Im Allgemeinen pflegen wir keinen offenen Umgang mit Tod und Vergänglichkeit, sondern ignorieren sie eher oder schieben sie weg. Ja, irgendwie leben wir sogar so, als würden alle Dinge ewig da sein und als ob wir niemals sterben würden – obwohl wir vom Kopf her natürlich wissen, dass auch wir selbst der Vergänglichkeit unterliegen. Es ist jedoch etwas vollkommen anderes, einfach nur zu wissen, dass alles unbeständig ist und dass wir selbst sterben werden, als es in unserem Herzen zu verstehen. Und es hat sehr positive Auswirkungen auf unser Wohlbefinden – ja sogar eine sehr heilsame Kraft, wenn wir einen guten Umgang mit Unbeständigkeit finden und in unserem Herzen auf einer tieferen Ebene lernen, sie zu akzeptieren – das schauen wir uns heute an.
“Warum die Vergänglichkeit fürchten, wo wir doch von ihr leben.”
(Manfred Hinrich)
Wie uns Vergänglichkeit hilft
Es ist so hilfreich, wenn wir Vergänglichkeit als Bestandteil unseres Lebens sehen können – vor allem auch unsere eigene Unbeständigkeit – sie als unsere Natur in unserem Herzen anzuerkennen:
✔️ Wir werden schätzen, was wir haben, denn alles ist uns nur vorübergehend gegeben und nichts ist selbstverständlich.
✔️ Wir werden uns nicht mehr streiten, sondern anderen helfen wollen, denn im Angesicht von Vergänglichkeit macht es keinen Sinn unsere Zeit mit Streit und Missgunst zu verbringen oder unsere Meinung durchsetzen zu wollen.
✔️ Wir werden loslassen, was wir nicht halten können, weil es vergangen ist, denn wir verstehen tief, dass es ganz natürlich ist, dass Dinge sich verändern.
✔️ Wir werden unsere Zeit sinnvoll nutzen, denn sie ist begrenzt – ja sogar sehr kurz.
🔹️Was würdest Du jetzt tun, wenn Du wüsstest, dass Dein Leben dieses Jahr endet?
Vielleicht magst Du kurz darüber nachdenken?
Und ja, vielleicht finden wir für uns Antworten auf diese Frage. Aber haben wir für uns eine ehrliche Antwort auf diese Frage gefunden? Ist die Antwort in unserem Kopf oder in unserem Herzen entstanden? Es ist so leicht gesagt, was wir tun würden, wenn wir in unserem Herzen nicht wirklich glauben, dass dies unsere letzten Monate, Wochen oder Tage sein könnten. Aber es wird eine vollkommen andere Antwort entstehen, wenn die Antwort aus unserem Herzen kommt. Es ist ein sehr besonderes Gefühl, das entsteht, wenn wir den Gedanken an unsere eigene Unbeständigkeit in unserem Herzen wirklich zulassen.
🔹️Wenn Du Dir vorstellst, Du bist 90 Jahre alt, Du hast das Ende Deines Lebens erreicht und Du schaust auf Dein Leben zurück, wofür bist Du wirklich dankbar, was davon hilft Dir jetzt und was würdest Du gerne anders gemacht haben?
Kein Streit hat wirklich Sinn gemacht, an kleinen Dingen festzuhalten war nutzlos, denn jetzt ist alles dabei zu verschwinden, Menschen und Dinge sind gekommen und gegangen, alles war immer nur vorübergehend da – manches länger, manches kürzer. Die Tatsache, dass das so ist, ist nicht schlimm – es tut nur weh, solange wir es in unserem Herzen nicht akzeptieren können. Ja, darüber muss man vielleicht etwas nachdenken und es kommen möglicherweise auch (große) Widerstände. Widerstände sind hier normal und sehr nützlich, denn dann wissen wir, dass wir innerlich an der richtigen Stelle angekommen sind.
Wenn wir in jedem Moment auf einer tieferen Ebene wissen, dass die Begegnung mit einer geschätzten Person vorübergehend ist, werden wir der Person mehr Aufmerksamkeit schenken, ihr Gutes tun wollen, uns nicht streiten und mit Leichtigkeit Abschied nehmen. Vielleicht ist das ein wenig so wie im Urlaub. Wir wissen, wir haben eine begrenzte Zeit, wir gestalten diese Zeit sehr bewusst so, wie es für uns Sinn macht und wenn wir netten Menschen begegnen, genießen wir die Zeit miteinander und verabschieden uns ohne zu trauern. Wir verlassen den Urlaubsort ohne daran festzuhalten und wenden uns dem zu, was als nächstes kommt.
Ich bewundere die Lebensweise von Stephen Hawking, der mit 21 Jahren an ALS erkrankt war und eine Lebenserwartung von nur noch wenigen Jahren hatte. Er sagte später:
“Meine Erwartungen wurden, als ich 21 war, auf null reduziert. Alles seit diesem Zeitpunkt war ein Bonus.”
Er wurde 76 Jahre alt und lebte ein Leben, in dem er wusste, dass jeder Tag der letzte sein kann. Das half ihm, den Fokus auf die Dinge zu legen, die ihm wichtig waren und sich nicht in Dinge dieses Lebens zu verstricken, die letztendlich keinen Nutzen haben. Und trotz (oder gerade wegen?) seiner Krankheit war er Zeit seines Lebens humorvoll, voller Energie und Wissensdrang und mit einem großen Wunsch, etwas Gutes für diese Welt zu schaffen und zu hinterlassen.
Unbeständigkeit von Gefühlen
Ein weiterer wichtiger Punkt von Unbeständigkeit ist die Tatsache, dass sowohl angenehme als auch unangenehme Gefühle vergänglich sind. Wenn es uns gut geht, denken wir ein wenig in der Tiefe unseres Herzens (nicht bewusst), dass das immer so bleibt (wir denken nicht daran, dass es enden wird und wollen das auch nicht) und wenn es uns schlecht geht, wollen wir, dass es schnell endet, wir wehren uns innerlich etwas dagegen und denken ebenfalls ein wenig tief in uns, dass es immer so bleibt. Der Gedanke an Vergänglichkeit ist in beiden Fällen sehr hilfreich. Wir können die angenehmen Dinge viel mehr genießen, wenn wir uns ihre unbeständige Natur bewusst machen, weil wir nicht beginnen, daran zu klammern. Und unangenehme Gefühle nehmen uns nicht so sehr ein, wir müssen uns nicht dagegen wehren, denn wir wissen, dass es nur vorübergehend ist. Dann klammern wir auch nicht daran, dass es enden soll, wir entspannen uns dadurch etwas und der Schmerz wird weniger und er hat sogar die Möglichkeit früher zu gehen.
Lass es uns ausprobieren
Es ist wichtig, sich als erstes etwas Zeit zu nehmen, um tiefer über diese Gedanken nachzudenken und zu versuchen, uns im Herzen damit zu verbinden. Dadurch können wir ihre heilsame Kraft spüren und uns entschließen, diese Gedanken während des Tages nicht zu vergessen.
Und dann probieren wir diese Gedanken in unserem täglichen Leben aus. Stell Dir vor, dass Du eine unangenehme Situation hast – ein unangenehmes Gespräch, einen Streit, einen Stau, eine nervige Person, eine Krankheit… und Du Dich in diesem Moment daran erinnerst, dass es nur vorübergehend ist. Spürst Du, wie sich innerlich etwas entspannt? Wie ein inneres Klammern etwas loslässt?
Tatsächlich können wir bei allem was wir sehen oder erfahren daran denken, dass es nur vorübergehend ist – das entspannt, unsere Gedanken werden realistischer und wir können konstruktiver und liebevoller leben und handeln. Es lässt sich in jedem und allem die vergängliche Natur erkennen.
Vielleicht sind einige der obigen Gedanken hilfreich für Dich – vielleicht auch nicht. Es ist wie bei allen Themen, nimm was Dir auf Deinem Weg nützlich erscheint, das andere lass bei Seite – vielleicht wird es auch zu einem anderen Zeitpunkt in Deinem Leben relevant sein.
Ich wünsche Dir von Herzen viel Freude mit diesen heilsamen Gedanken, wenn Du sie ausprobieren magst. 💞💫