Hängende Herzen in sanften Farben, Text: Wenn unsere Gedanken die Farbe sind, mit denen wir unsere Welt malen, dann lass uns die Allerschönsten verwenden. (Sven Hilnhagen)

Unsere Sicht ist unsere Welt

Wie siehst Du in diese (Deine) Welt? Was ist Deine eigene Sicht? Es gibt verschiedene Sichtweisen, die wir einnehmen können in Bezug zu unserer Umgebung, unserem Erleben, also in Bezug auf die Welt, wie wir sie erfahren.

Getrennt oder Teil davon?

Was für ein Ort ist diese Welt für Dich? Welche Haltung haben wir ihr gegenüber? Es gibt z.B. die Beschreibung von Heinz von Foerster, der zwei Sichtweisen unterscheidet: die Guckloch-Haltung und die Teil-der-Welt-Haltung.

Bei der Guckloch-Haltung hat man die Sichtweise, dass man selbst eine Beobachterrolle in dieser Welt hat. Wir schauen auf die Welt, ähnlich wie durch ein Loch in der Tür und betrachten alles von außen, also objektiv, aber es hat nicht so viel mit uns zu tun. Es passiert einfach alles da draußen. Wir haben dadurch wenig Einfluss, denn alles passiert außerhalb von uns, ohne dass wir das groß beeinflussen können.

Dagegen sieht sich jemand mit der Teil-der-Welt-Haltung als Teil seines sozialen Systems, darin können wir handeln, wirken, agieren – wir haben Einfluss und beeinflussen uns gegenseitig. Wir haben Wirksamkeit und stehen in Abhängigkeit zu anderen. So hat jede unserer Handlungen auch eine Auswirkung und wir verändern unser System mit unserem Tun.

Vielleicht sind wir auch irgendwo dazwischen. Wir schauen in eine Welt, in der wir ein paar Dinge beeinflussen, bewirken oder hervorbringen können, aber vieles ist eben auch außerhalb unseres Einflussbereichs.

Oder unsere Sicht ändert sich – ist mal so und mal so, je nachdem, in welchem Umfeld oder in welcher Stimmung wir vielleicht gerade sind.

Sichtweisen sind zahllos

Es gibt natürlich noch mehr Sichtweisen, wie wir unsere Welt betrachten können. Egal, welche Sichtweise wir haben – diese Sichtweise formt unsere Welt. Denn wir handeln danach und verhalten uns dementsprechend. Wenn unsere Welt für uns etwas ist, von der wir nichts (mehr) erwarten oder nicht glauben, dass sie sich ändert und uns etwas Gutes geben könnte, werden wir keine Energie aufbringen, um etwas zu verändern oder zu erreichen. Wenn wir die Welt als etwas sehen, das uns dient und was wir beherrschen, werden wir sie ausbeuten oder nehmen, was wir wollen. Ist es eine Welt voller Möglichkeiten und Vielfalt, werden wir neugierig sein, neue Dinge zu entdecken. Leben wir in einer Welt, in der wir nur eine Person unter vielen anderen Lebewesen sind und mit dem Bewusstsein, dass auch deren oder unsere Kinder und weitere Generationen hier gute Bedingungen finden möchten, werden wir rücksichtsvoll und vielleicht sogar bescheiden sein.

Unsere Sicht erschafft unsere Welt

Wir können daran sehen, dass es unsere eigene Sichtweise – oder vielleicht können wir auch sagen, unsere eigene Annahme über die Welt – ist, die dafür verantwortlich ist, wie die Welt für uns erscheint und wie wir dementsprechend dann auch handeln. Wie eine getönte Brille visuell unsere Welt einfärbt, so färbt unsere Sicht unsere Welt in der Farbe unserer Gedanken. Man könnte daher sagen, unsere eigene Sicht ist dafür entscheidend, wie unser Leben verläuft. Darüber muss man erstmal nachdenken, denn es ist möglicherweise genau entgegengesetzt zu dem, was wir normalerweise denken. Vielleicht magst Du auch eine Pause machen und es erstmal setzen lassen, nachdenken und reflektieren.

Vielleicht helfen Dir auch ein paar Fragen für die eigene Reflexion:

  • Was denke ich, wie groß mein Handlungsspielraum ist? Was kann ich bewirken und wo sind vielleicht Grenzen?
  • Wenn ich eine andere Sicht auf meine Welt hätte (vielleicht die Sicht einer Person, die wir bewundern), wie würde das meine Handlungen und meine Erfahrungen verändern?
  • Wenn jeder eine andere Sicht auf die Welt hat, welche Sicht ist dann eigentlich richtig oder wahr?
  • Gibt es Sichtweisen von mir, die mir eigentlich nicht gut tun? Und wie würde ich sie gerne verändern?

Natürlich können wir unsere Sichtweisen nicht auf Knopfdruck einfach verändern. Sie sind teilweise über lange Zeit entstanden und tief in uns verwurzelt. Gleichzeitig verändern wir viele unserer Sichtweisen auch ständig. Um sie jedoch ganz bewusst zu verändern, brauchen wir gute Gründe und müssen tief darüber nachdenken. Alleine ist das manchmal gar nicht so einfach. Ein Austausch mit Freunden, eine Coachingsitzung oder eine andere Begleitung kann in diesem Prozess sehr wertvoll sein.

Entscheide selbst, wie Deine Welt ist ):)

Ich finde, das sind wunderbare Neuigkeiten. Wenn die Welt in der wir leben viel mehr von unserer eigenen Sichtweise auf die Welt abhängt als dass sie von sich aus so ist, haben wir große Möglichkeiten unsere Welt zu verändern, indem wir unsere Sichtweise verändern. Das funktioniert für alles, was wir in unserer Welt wahrnehmen, also auch für jede Person und Situation, der wir begegnen. Alles ist vielmehr von unseren Sichtweisen darauf abhängig, als dass etwas tatsächlich so wäre, wie wir es sehen.

Ein kleines Beispiel: Ich habe mal in einer Handballmannschaft gespielt, in der es sehr harmonisch war. Und nun sollte eine Person in unsere Mannschaft kommen, von der ich wusste, dass sie sehr eingebildet und überheblich war. Ich wollte die Mannschaft verlassen, weil ich in meiner Freizeit Freude haben wollte und keine Machtkämpfe. Eine Mitspielerin, die mit uns beiden befreundet war, hat das mitbekommen und wollte nicht, dass ich gehe. Sie hat mir erzählt, wie nett und freundlich die andere ist und dass ich sie erstmal richtig kennenlernen müsste usw. Sie hat also mit Freude über ihre guten Eigenschaften erzählt und mich gebeten, ihr eine Chance zu geben. Ich habe ihre Worte überdacht und da ich sie sehr schätzte, habe ich eingewilligt. Ich habe also versucht die Neue wie jemanden zu sehen, von dem ich noch nichts weiß, habe ihr Vorschussvertrauen geschenkt und sie wohlwollend in der Mannschaft willkommen geheißen, mit einem Schuss Neugier, was für eine tolle Mitspielerin da wohl zu uns stoßen wird. Und siehe da, sie war keine eingebildete, überhebliche Person, sondern eine nette und interessante Mitspielerin, die unser Team bereichert hat. Der einzige Grund, warum keine eingebildete, überhebliche Person zu uns gekommen ist, war, weil ich diese Sichtweise zuvor aufgegeben hatte – in meiner Welt gab es diese Person nicht mehr. Die eingebildete, überhebliche Person war nur eine Sicht oder eine Projektion meiner eigenen Gedanken auf diese Person.

Dinge, Menschen, Tiere, die ganze Welt erscheint uns erst einmal nur. Was sie für uns sind, entscheiden wir mit unseren eigenen Gedanken, unseren Sichtweisen. Wir haben daher die Wahl, in welcher Welt wir mit welchen Leuten leben wollen.

„Wenn unsere Gedanken die Farbe sind, mit denen wir unsere Welt malen, dann lass uns die Allerschönsten verwenden.”

(Sven Hilnhagen)

Normalerweise halten wir an unseren Sichtweisen stark fest, weil wir glauben, dass es eine echte Eigenschaft von den Dingen und Lebewesen da draußen ist. Aber wenn wir es überprüfen, sehen wir, dass jeder im Grunde seine eigene Sicht hat und dann in dieser (Sicht der) Welt lebt. Natürlich gibt es Konventionen, auf die wir uns sozusagen als Gesellschaft geeinigt haben – das ist natürlich hilfreich, wenn man mit anderen kommunizieren möchte – aber unsere Sichtweisen entstehen in uns, es sind unsere eigenen Gedanken oder Projektionen in Bezug zu unserer Welt. Deshalb können wir lernen, die nützlichsten und hilfreichsten Sichtweisen zu entwickeln, die uns und anderen Glück und Freude schenken.

Lass es uns ausprobieren

Was heißt das jetzt für uns ganz persönlich? Das heißt natürlich nicht, dass wir alles anders benennen können oder alles einfach sehen können, wie wir es wollen, ungeachtet, ob es in diese Welt passt oder wie es anderen damit geht, das wäre sicher nicht hilfreich. Aber natürlich wäre es fantastisch, wenn wir Sichtweisen erkennen können, die uns nicht gut tun und sie durch solche ersetzen, die uns und vielleicht auch anderen helfen. Das ist nicht falsch oder unrealistisch. Im Gegenteil, es wäre viel besser eine Sichtweise, die dazu führt, dass wir Probleme erfahren oder dass es uns nicht gut geht, als falsch oder unrealistisch zu hinterfragen und eine Sichtweise, die uns und anderen hilft, zu schätzen (wie in dem Beispiel oben). Probiere es aus, wenn Du Dich davon angesprochen fühlst und versuche, Deine Sichtweise in einer Situation, die schwierig war, zu erkennen. Welche Eigenschaften hast Du den Dingen oder Personen zugeschrieben? Wie wäre es, wenn Du Deine Sicht in positiver Weise ändern würdest? Wie verändert es Deine Welt, Erfahrungen und Handlungen?

Wenn Du Dich gerne mehr mit diesem Thema auseinandersetzen oder es tiefer schauen möchtest, ist das wunderbar, aber möglicherweise auch nicht so ganz einfach. Dann kann ich Dir “The Work” von Byron Katie empfehlen. Eine wunderbare Methode um eigene Sichtweisen und Glaubenssätze zu hinterfragen und zu verändern. Das kann man im Selbstcoaching machen, ist aber natürlich auch wunderbar in Begleitung, wenn man hier tiefer schauen möchte und ich biete das natürlich auch im Erkenntnis-Coaching an. Falls Du Interesse hast, freue ich mich von Dir zu hören. Was auch immer Dein Weg ist, ich wünsche Dir viel Freude beim Entdecken neuer positiver Sichtweisen. ❤️

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